Sonntag, 13. Januar 2013

36.Marathonstaffel SKV Mörfelden



Im Zuge der Vorbereitungen für den Rodgau Ultramarathon Ende Januar stand am 13.Januar der längste Trainingslauf mit ca.35km oder mehr auf dem Programm. Also dachte ich mir, warum eigentlich nicht einen Marathon laufen gleich bei mir um die Ecke. Denn genau an diesem Tag gibt es in Mörfelden die traditionelle Marathonstaffel des SKV Mörfelden.

Das Training habe ich deswegen jetzt nicht groß geändert. Die letzten vier Trainings Wochen im Schnitt mit 97,1km waren doch sehr hart und haben ihre Spuren hinterlassen. Das linke Knie schmerzte ein wenig, aber fürs Training war es immer noch halbwegs ok. Die Woche vorm Marathon hab ich auf Berg und Tempoläufe verzichtet. Nochmal 59,4km auf 4 Einheiten verteilt. Die letzte Einheit am Freitag war dann eine Test Runde auf der Mörfelden Marathonstaffel Strecke. Nach der Trainingseinheit gab es doch erhebliche Knieschmerzen, und ganz neu kam noch ein ziehen in der linken hinteren Oberschenkelmuskulatur dazu.

Den Samstag nochmal zur Regeneration genutzt. Linkes Knie und den hinteren Oberschenkel getaped. Sachen gepackt und früh‘ ins Bett gegangen.

Sonntag:

Um 5 Uhr in der früh aufgestanden. Klar, Mörfelden ist nur 30 Minuten von mir entfernt, aber das Frühstück muß ja verdaut werden bis zum Start um 9:00Uhr.
2 Brötchen mit Honig, Joghurt und ein Ei. Das bewährte Marathonfrühstück. Noch ein bisschen relaxen, dann geht es nach Mörfelden.

Um kurz nach 8Uhr bin ich da. Gleich mal die 15 Euro bezahlt und Startnummern abgeholt. Man gibt mir die Nummern mit der Bemerkung, „ach, komplette Strecke“. Ich weis das schon von Lauffreunden, dass solche „Alleingänge“ hier gar nicht so gerne gesehen werden. Schließlich soll ja bei einer Marathonstaffel das Team im Vordergrund stehen. Trotzdem sind die Helfer der SKV Mörfelden sehr freundlich und geben gerne Auskunft was die Startnummern anbetrifft.



Schnell mal die Unterlagen klar gemacht



Der Spaß kann losgehen

Ich muß immer die jeweils der Runde entsprechenden Startnummer gut sichtbar anbringen. Außerdem irgendwie im Zieldurchlauf erkenntlich machen dass ich in die nächste Runde gehe. Für die Zeitmessung steht ein Chip zur Verfügung. Allerdings registriert der Chip nur den Rundendurchlauf und nicht den Start. Die Uhr läuft mit dem Startschuss. Das wird mich ein paar Sekunden kosten, da ich mich logischerweise weiter hinten anstelle beim Start. Getränke gibt es erst im Zielschluss. Klar, für 10,55km braucht man unterwegs keine Getränke. Also das bedeutet für mich Eigenversorgung. Deshalb habe ich mir ne Flasche mit 1 Liter Wasser mit ganz wenig Iso Mix mitgebracht. Die postiere ich erst mal gleich nach dem Stadioneinlauf. Die Startnummer tackere ich alle übereinander fest und werde nach jeder Runde eine Nummer abreißen. Das wird schon irgendwie klappen.

Bei sonnigen, aber frostigen -3° Grad gibt es nicht viel zu überlegen. Lange Hose, 2 Schichten langarm Shirt, dünne Laufjacke, Halstuch, Mütze und Handschuhe. Raus in die Kälte. 2 Runden im Stadion locker warmlaufen, dann rein in den Starterblock. Noch ein bisschen Hinweise vom Sprecher und Punkt 9 Uhr fällt der Startschuss. 4 Runden a 10,55km liegen vor mir.

Start:

1.Runde
Vom Start weg noch eine viertel Runde im Stadion, Abzweig in den Wald. Schon hier spüre ich ein leichtes ziehen in der linken Kniekehle. Das geht ja gut los. Egal erst mal locker weiter. Zeit ist heute nicht so wichtig. In erster Linie soll das ja als langer Trainingslauf für den Rodgau Ultra dienen. Die Strecke führt, mal abgesehen von den Stadionrunden, komplett durch den Wald zwischen Mörfelden und Mönchbruch. Jeder KM ist gut sichtbar markiert. Abzweigungen sind durch Pfeile gekennzeichnet, und teils mit Helfern vom SKV Mörfelden besetzt. Hier verläuft sich bestimmt keiner!
Den ersten KM laufe ich in 4:36min/km. Viel zu schnell. Also hänge ich mich an einen Läufer dran, der die Runde unter 50 Minuten laufen will. Das ist genau mein Tempo für die erste Runde denk ich mir. Aber bereits nach KM3 wird die Pace immer langsamer und mir wird das zu blöd. Ich ziehe weiter mit KM Zeiten unter 4:40min/km. Das Problem Knie meldet sich immer wieder mal, aber spätestens nach dem Wendepunkt bei ca.5,7km nehme ich das irgendwie nicht mehr wahr, oder das bewährte Wettkampfadrenalin unterdrückt die leichten Schmerzen. Die Pace pendelt sich jetzt um die 4:35min/km ein. Mir kommt das immer noch wie ein fast normaler Trainingslauf vor. Es fällt mir schwer nicht noch schneller zu werden. Aber genau das wollte ich heute trainieren. Am Anfang nicht überpacen! Die erste Runde ist fast beendet, ich nähere mich dem Stadion. Die Startnummer muß getauscht werden! Mit einer Hand die Sicherheitsnadel festgehalten, mit der anderen wird die Nummer abgezupft. Klappt prima, ich muß noch nicht mal die Handschuhe ausziehen. Im Stadion schnappe ich noch die vorher deponierte Getränkeflasche. Wasseraufnahme, Flasche wieder für die nächste Runde geschickt weggeworden. Beim Zieldurchlauf halte ich die alte Nummer über die Nummer für Runde 2. Klappt auch super!
Daten für Runde 1 - 49:18min. Pace 4:40min/km ; Puls 144 (79%)

2.Runde
Automatisch werde ich schneller. Immer noch läuft das sehr gut. Keine Ermüdungserscheinungen. Ich hänge mich an eine Läuferin ran, welche ziemlich konstant die Pace auf 4:30min/km hält. Das funktioniert bis ca. 3km vor Ende der Runde. Dann läßt die Läuferin nach und ich ziehe alleine weiter. Im der Stadionrunde die gleiche Prozedur. Nummer wechseln, Getränk aufnehmen. Zieldurchlauf.
Daten für Runde 2 - 47:59min. Pace 4:33min/km ; Puls 152 (84%) -> HM Durchlauf 1:37:16

3.Runde
Mit dem Schwung von der Stadionrunde wird die Pace noch schneller und geht jetzt teilweise unter die 4:30min/km. Plötzlich starkes ziehen im hinteren Oberschenkel. Das hatte ich die ganze Zeit befürchtet. Es wird nicht besser. Bei jedem Schritt zieht es. Laufposition wechseln bringt auch nix. Kann ich so zu Ende laufen? Mistkram! Aussteigen oder weiterlaufen und Verletzung riskieren? Erst mal weiter, ausgestiegen bin ich noch nie. Also wird es auch diesmal irgendwie gehen! Trotzdem habe ich ein ungutes Gefühl beim laufen. Immer wieder kurzes ziehen und zwicken. Da muß ich jetzt durch! Noch ca. 16km sind zu laufen. Das wird nicht einfach. Wieder der Wendepunkt. Zurück zum Stadion. Endlich, das ziehen läßt etwas nach. Ich denke ich kann das durchziehen bis zum Schluss! Kurz vorm Stadion, Wasseraufnahme klappt nicht optimal, ich muß kurz bremsen und nachgreifen um die Flasche zu schlappen. Ein letztes mal die Nummer tauschen. Nur noch eine Runde!
Daten für Runde 3 - 47:38min. Pace 4:31min/km ; Puls 157 (87%)

4.Runde
Noch 10,55km. Ich bin platt kann aber das Tempo noch halten, ja sogar ein paar Abschnitte mit 4:25min/km sind drin. Knie und Oberschenkel völlig ausgeblendet. Es tut sowieso jetzt alles weh, da fällt das gar nicht mehr so auf. Es wird zäh‘ und der übliche Kampf auf den letzen Marathonkilometern ist angesagt. Zähne zusammen beißen. Versuchen die Pace unter der 4:30min zu halten, dann wird das hier sogar eine Zeit unter 3:15! Das wäre top und war eigentlich so nicht geplant. Wäre ich am Start mit einer Zeit um die 3:20 zufrieden gewesen, will ich jetzt unbedingt unter der 3:15 bleiben. Der Wendepunkt kommt. Rum um die Stange. Wieder anlaufen fällt schwer. Zusammenreißen, noch gut 4km sind zu laufen. Die Staffeln haben Ihre Schlussläufer auf die Strecke geschickt, und die sind natürlich schnell. Da bleibt es nicht aus, dass ich auf der letzten Runde noch 4x überholt werde. Jeder KM Marker bringt mich dem Ziel näher. Die letzten Reserven zusammenkratzen. KM40 sagt der Forerunner. Vom Gefühl her werden es letztendlich noch 2,5km sein. Die Zeit ist top. Noch immer kann ich die Pace unter 4:30min/km halten. Der letzte Abschnitt zum Stadion. Quälen, kämpfen, nicht nachlassen! Rein ins Stadion. Die letzte Runde! Gleich ist es vorbei! Das Ziel vor Augen. Zeit passt! Geschafft! Erster Marathon in 2013 gefinisht. 3:12:09 (3:12:17 offizielle Einlaufzeit) meine Zeit. Ich bin total zufrieden.
Daten für Runde 4 - 47:15min. Pace 4:29min/km ; Puls 160 (88%)



Erster Marathon für 2013 abgehakt

Ein paar warme Tee im Ziel abgebohrt. Duschen und Heimfahren. Gelungene Marathonprobe für den Rodgau Ultra in 2 Wochen. Spaß gemacht hat es auch noch. Jetzt noch die Knie und Oberschenkel Probleme in den Griff bekommen, dann sollte der Rodgau Ultra gut laufen. Es sei denn ich hab mich mit dem Start im Mörfelden über die Marathondistanz abgeschossen. Aber das werden wir am 26.Januar sehen.